{"id":5986,"date":"2022-06-18T14:33:02","date_gmt":"2022-06-18T13:33:02","guid":{"rendered":"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/?page_id=5986"},"modified":"2023-01-11T20:43:58","modified_gmt":"2023-01-11T19:43:58","slug":"karl-eschenburg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/?page_id=5986","title":{"rendered":"Karl Eschenburg"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<\/strong>Leben und Werk Karl Eschenburgs wurde in zahlreichen B\u00fcchern und Ausstellungen bereits umfangreich geschildert und illustriert. Dabei wurde und wird Karl Eschenburg als das \u201eAuge Mecklenburgs\u201c verehrt. Dass der gr\u00f6\u00dfte Teil seiner Aufnahmen w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus entstand, wird dabei dezent verschwiegen oder verharmlost. Glaubw\u00fcrdig sind diesbez\u00fcgliche Auslassungen und Bem\u00e4ntelungen nicht. Der Popularit\u00e4t Eschenburgs tut das aber keinen Abbruch.<\/p>\n<p>Dabei gibt es durchaus Ver\u00f6ffentlichungen, die zu einem objektiveren Blick f\u00fchren k\u00f6nnten. Der Schweriner Fotohistoriker Volker Janke hat im Jahr 2011 das Wirken Eschenburgs so zusammengefasst: \u201eDie heile Welt und die vermeintliche Idylle in den Stadtansichten Eschenburgs demonstrieren eindringlich die Ziele des im M\u00e4rz 1933 von Adolf Hitler geschaffenen Reichsministeriums f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung und Propaganda, n\u00e4mlich eine Stadt und eine Volksgemeinschaft darzustellen, die erst durch das NS-Regime erm\u00f6glicht wurde.\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Sophie Gro\u00dfe und Marie Sparfeld weisen ganz richtig darauf hin, dass mit den Ver\u00f6ffentlichungen von Eschenburg-Bildb\u00e4nden in den 1990er und 2000er Jahren versucht wurde, Propaganda-Bildstrecken der 1930er Jahre in rein dokumentarische Aufnahmen umzudeuten.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Kathrin Becker weist darauf hin, dass Eschenburgs Portr\u00e4tbilder nicht das Bild einer differenzierten<br \/>\nGesellschaftsstruktur vermitteln. &#8222;Sie zeigen das Bild einer provinziellen Idylle.&#8220; <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Die folgenden Zeilen werden sich Fragen widmen, die bisher eher selten in den Blick genommen wurden: Wie war die finanzielle Situation im fotografischen Gewerbe, als Eschenburg dorthin wechselte? Wie wirkten sich die Gleichschaltung des fotografischen Handwerks und der Medien im Nationalsozialismus auf die Fotografen und konkret auf Karl Eschenburg aus?<\/p>\n<p>Karl Eschenburg hat sich seine fotografischen Kenntnisse autodidaktisch angeeignet. 1928 wechselte er aus seiner T\u00e4tigkeit als Ingenieur zur Berufsfotografie. Einen schlechteren Zeitpunkt h\u00e4tte er sich nicht aussuchen k\u00f6nnen, eigentlich. In der Photographischen Chronik, einem Fachblatt der Berufsfotografen ist in einer Mitteilung des Verbandes Mecklenburger Photographen zu lesen: \u201eEs gab von allen Seiten Klagen \u00fcber schlechten Gesch\u00e4ftsgang und \u00fcber unlautere Elemente, die den Fachleuten das Brot schm\u00e4lern.\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Die Gesch\u00e4ftslage besserte sich in den kommenden Jahren nicht. Mit der Weltwirtschaftskrise 1929 rutschte das Fotografenhandwerk in die gr\u00f6\u00dfte Krise seit Erfindung der Fotografie. \u201eDas Jahr 1931 war zweifellos dasjenige Jahr, welches einen nie zuvor gekannten wirtschaftlichen Tiefstand in den photographischen Betrieben brachte. Selbst in den schlimmsten Zeiten der Nachkriegszeit ist niemals eine so gro\u00dfe Not zutage getreten wie im verflossenen Jahre.\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Neben der allgemeinen schwierigen Wirtschaftslage wurden die Industrialisierung der Herstellung fotografischer Erzeugnisse, die Schwarzarbeit und die Amateurfotografie als Ursachen der Krise diagnostiziert.<\/p>\n<p>Auch bei der Hauptversammlung des Verbandes Mecklenburger Photographen im Jahr 1932 war die Stimmung schlecht: \u201eWegen der Notlage im Beruf wurde beschlossen, die Mitglieder im ersten und zweiten Vierteljahr vom Beitrag zu befreien \u2026 Eine Aussprache \u00fcber die Wirtschaftslage zeigte, wie schwer gerade unser Beruf betroffen wird.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>In den Rostocker Adressb\u00fcchern l\u00e4sst sich nachlesen, dass sich Eschenburg von Ende der 1920er bis Ende der 1930er Jahre mehreren Unternehmungen und T\u00e4tigkeiten widmete: Schiffbau-Ingenieur, Kunstgewerbe, Photographie, Raumkunst, Reise- und Verkehrsb\u00fcro, Photospezialhaus, Lichtbildverlag, Bildberichterstatter. Im Gewerbeteil der Adressb\u00fccher wird Karl Eschenburg von 1935 bis 1939 bei den Photoateliers gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Dieses Sammelsurium spricht daf\u00fcr, dass Eschenburg mit der Fotografie zumindest bis 1933 nicht viel verdiente. Und es wird deutlich, dass Eschenburg mit seinen T\u00e4tigkeitsbezeichnungen, die einen Bezug zur Fotografie hatten, herumlavierte. Die Berufsbezeichnung Fotograf ist bei Eschenburg in den Adressb\u00fcchern nicht zu finden.<\/p>\n<p>Dauerhafte Reizthemen in den Fachbl\u00e4ttern des fotografischen Berufsstandes waren die Fotoateliers in Warenh\u00e4usern, z.B. Wertheim in Rostock, und die beruflichen Quereinsteiger, die h\u00e4ufig als ambulante Fotografen ohne eigenes Atelier arbeiteten. Mit anderen Worten: die Feinde des Berufsfotografen waren die ganz \u00fcberwiegend j\u00fcdischen Warenhauseigent\u00fcmer und M\u00e4nner wie Karl Eschenburg.<\/p>\n<p>Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war unter den Fotografen die Hoffnung gro\u00df, dass den vermeintlich ungleichen und unfairen Wettbewerbern nun Einhalt geboten werde.<\/p>\n<p>Dieser Logik folgend, h\u00e4tte Karl Eschenburg der berufliche Aufstieg verwehrt bleiben m\u00fcssen. Aber es kam bekanntlich anders.<\/p>\n<p>Karl Eschenburg hat in gro\u00dfen Mengen Fotografien an NS-Bl\u00e4tter geliefert: an die Mecklenburgischen Monatshefte, die ab 1936 als \u201eAmtliches Mitteilungsblatt f\u00fcr Kultur- und Heimatpflege der Gauleitung Mecklenburg-L\u00fcbeck der NSDAP\u201c fungierten, an das NSDAP-Parteiorgan \u201eNiederdeutscher Beobachter\u201c. F\u00fcr die Mecklenburgischen Monatshefte l\u00e4sst sich belegen, dass mit Eschenburgs Bildbeitr\u00e4gen die Motive von etablierten und durchaus auch NS-nahen mecklenburgischen Berufsfotografen verdr\u00e4ngt wurden.<\/p>\n<p>Eschenburgs Fotografien erschienen in mecklenburgischen Zeitungen, auch nachdem im Oktober 1933 das Schriftleitergesetz in Kraft getreten war. Eschenburg war nun verpflichtet, von den Lesern alles fernzuhalten, \u201ewas geeignet ist, die Kraft des Deutschen Reiches nach au\u00dfen oder im Innern, den Gemeinschaftswillen des deutschen Volkes, die deutsche Wehrsamkeit, Kultur oder Wirtschaft zu schw\u00e4chen \u2026\u201c. Da Eschenburg nicht prim\u00e4r zu den schreibenden Journalisten geh\u00f6rte, nannte sich seine T\u00e4tigkeit nicht Schriftleitung sondern Bildberichterstattung. Der Gesetzestext galt f\u00fcr beide T\u00e4tigkeitsfelder. Um diesen Berufen nachgehen zu k\u00f6nnen, bedurfte es u.a. der deutschen Staatsangeh\u00f6rigkeit, \u201earischer Abstammung\u201c und einer fachm\u00e4nnischen Ausbildung. Vorgeschrieben war eine mindestens einj\u00e4hrige Ausbildung bei einer Zeitung. Zust\u00e4ndig f\u00fcr die Pr\u00fcfungen waren die Landesverb\u00e4nde des Reichsverbands der Deutschen Presse. F\u00fcr Karl Eschenburg ist eine derartige Ausbildung nicht \u00fcberliefert. Es ist davon auszugehen, dass ihm die Aus\u00fcbung der T\u00e4tigkeit als Bildberichterstatter ohne entsprechende Ausbildung gestattet wurde. Bei der Erteilung der Erlaubnis d\u00fcrften auch andere Kriterien als die fotohandwerkliche Qualifikation herangezogen worden sein. Bereits f\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfung vor Ausbildungsbeginn wurden vorausgesetzt: \u201edie genaue Kenntnis des Werkes \u201eMein Kampf\u201c und im Zusammenhang damit hinreichende Vertrautheit mit der neuen deutschen Geschichte, besonders mit der Geschichte des Nationalsozialismus, sowie Kenntnisse \u00fcber den Aufbau der Partei und Staat.\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> W\u00e4hrend Karl Eschenburg die Erlaubnis zur Bildberichterstattung erteilt wurde, verloren aufgrund des Schriftleitergesetzes in Deutschland zur gleichen Zeit ca. 1400 Fotografen ihre Arbeit.<\/p>\n<p>Die Gleichschaltung des fotografischen Handwerks wurde im April 1933 mit Personalwechseln an der Spitze des Centralverbands Deutscher Photographen-Vereine und -Innungen eingeleitet. Mit dem Gesetz \u00fcber den vorl\u00e4ufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom 29.11.1933 und der Ersten Verordnung \u00fcber den vorl\u00e4ufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom 15.06.1934 wurde f\u00fcr das fotografische Handwerk der Innungszwang eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Am 11. Oktober 1934 fand in G\u00fcstrow die erste Versammlung der mecklenburgischen Photographen-Innung statt. Auf dieser Versammlung wurde der Antrag gestellt, \u201enur Mitglieder in die Innungs- und Handwerksrolle einzutragen, welche den Bef\u00e4higungsnachweis erbringen.\u201c <a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>Um ein Fotoatelier zu f\u00fchren, bedurfte es nun grunds\u00e4tzlich eines Meisterbriefs. Zur Erlangung dieses Nachweises wurden \u00dcbergangsfristen einger\u00e4umt und Sonderregelungen erlassen.<\/p>\n<p>Die Innungsfunktion\u00e4re wussten zu berichten \u201eda\u00df leider 55-60 % der unseren Beruf Aus\u00fcbenden die Photographie nicht erlernt haben, sondern aus allen m\u00f6glichen anderen Berufen und als Folge ihrer Knipsert\u00e4tigkeit in unseren Beruf \u00fcbergewechselt sind.\u201c Die Quereinsteiger sollten \u201eihre Kenntnisse so erweitern, da\u00df sie ebenfalls Qualit\u00e4tsarbeit unseres Handwerks liefern und nicht durch minderwertige Arbeit das Ansehen unseres Berufsstandes schm\u00e4lern.\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr manchen Fotografen verband sich mit der Innungspflicht die Hoffnung, die \u201eKnipser\u201c zur\u00fcckdr\u00e4ngen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Vorgaben ist es verwunderlich, dass sich der Name Karl Eschenburg von 1935 bis 1939 in den Rostocker Adressb\u00fcchern im Gewerbeteil Warnem\u00fcndes bei den Photographischen Ateliers findet. Eschenburg hatte keinen Meisterbrief und er hat auch kein Atelier gef\u00fchrt, sondern war als freischaffender, ambulanter Fotograf t\u00e4tig. Au\u00dferdem betrieb er ab 1929 eine Verkaufsstelle, \u201ewo Auftr\u00e4ge zur Entwicklung von Filmen und zur Anfertigung von Abz\u00fcgen angenommen wurden. Ferner wurde mit Fotobedarf, Kameras und Fotopostkarten mit Motiven von Karl Eschenburg gehandelt.\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> 1936 er\u00f6ffnete Eschenburg zus\u00e4tzlich ein Photo-Spezialhaus in der Bismarckstra\u00dfe. Derartige H\u00e4user wurden in den 1930er Jahren \u00fcblicherweise von Fachdrogisten gef\u00fchrt. Auch diese Ausbildung hatte Karl Eschenburg nicht.<\/p>\n<p>Mit seinen vielf\u00e4ltigen Unternehmungen passte Eschenburg nicht in das Raster der Gleichschaltung. Trotzdem wurde ihm die M\u00f6glichkeit gegeben, seine Gesch\u00e4ftst\u00e4tigkeiten auszubauen.<\/p>\n<p>Den mecklenburgischen Berufsfotografen war bereits auf der ersten Innungsversammlung von NSDAP-Mitglied Knorre von der Propagandastelle G\u00fcstrow mit auf den Weg gegeben worden, \u201edas eigene ICH zum Nutzen der Allgemeinheit zur\u00fcckzustellen\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>. Was damit gemeint war, lie\u00df sich in der Folgezeit in den Bildver\u00f6ffentlichungen des \u201eRostocker Anzeigers\u201c und \u201eNiederdeutschen Beobachters\u201c beobachten: die Urheberschaft abgedruckter Fotos wurde teilweise anonymisiert. \u201eAllgemeine Klagen wurden \u00fcber das Gesch\u00e4ftsgebaren des N.B. gef\u00fchrt, welcher wohl das Honorar von 5 RM f\u00fcr die Aufnahmen bewilligt, jedoch die ver\u00f6ffentlichten Bilder unter eigener Berichterstattung bringt.\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Diese Anonymisierung betraf zeitweilig auch Karl Eschenburg, dessen Urheberschaft dann gar nicht oder nur \u00fcber das K\u00fcrzel \u201eEbg.\u201c erkennbar war. In Anbetracht der Tatsache, dass im Rostocker Anzeiger von 1927 bis 1939 mehr als 3000 Aufnahmen Eschenburgs erschienen, l\u00e4sst sich das aber verkraften.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Die Hoffnungen, welche die Berufsfotografen mit den Nazis verbunden hatten, erf\u00fcllten sich nur bedingt. So k\u00e4mpften sie weiterhin vehement daf\u00fcr, dass nur sie Passbilder anfertigen d\u00fcrfen. Auch gab es Streit mit einigen staatlichen Beh\u00f6rden, die bei Auftragsarbeiten die Rechnungen k\u00fcrzten.<\/p>\n<p>Die Anonymisierung der fotografischen Urheberschaft hatte bei anderen Publikationen bereits Tradition, auch bei Ansichtskarten. Dieses Unwesen verst\u00e4rkte sich w\u00e4hrend des Nationalsozialismus noch. Hier bildete Karl Eschenburg wieder eine Ausnahme. Auf den von ihm herausgegebenen Karten war sein Namenszug \u00fcberaus pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Unter dem Titel \u201eErste mecklenburgische Heimatbund-Ausstellung. Das Karl-Eschenburg-Lichtbild\u201c ist im Rostocker Anzeiger vom 18.01.1934 nachzulesen: \u201eReichsstatthalter Friedrich Hildebrandt hat als Schirmherr des dem <em>Reichsbund Volkstum und Heimat<\/em> eingegliederten <em>Heimatbundes Mecklenburg<\/em> das Protektorat \u00fcber dessen Erste Lichtbild-Wanderausstellung \u00fcbernommen und wird sie \u2026 feierlich er\u00f6ffnen. \u2026 Der Nationalsozialismus gibt uns neuen Kulturwillen. Seelische Antriebe in dieser Richtung uns Mecklenburgern zu geben, kommt das Karl-Eschenburg-Lichtbild gerade zur rechten Zeit.\u201c Bei den Bildmotiven war kein Platz f\u00fcr \u201ekulturloses Banausentum im neuzeitlichen Bau- und Landschaftsgestalten, man denke nur an den Mietskasernen- und \u201eVillen-Stil\u201c der letzten f\u00fcnf Jahrzehnte. \u2026 Vor solchen Objekten streikte wohl die Kamera Eschenburgs.\u201c<\/p>\n<p>Der Name Eschenburg wurde zur Marke. Eine Marke nationalsozialistischer Pr\u00e4gung.<\/p>\n<p>Nicht nur f\u00fcr Zeitungen und Zeitschriften lieferte Eschenburg die Bilder, er fertigte auch Ansichtskarten von Jugendherbergen des Landesverbandes Mecklenburg und der Flakartillerieschule und dem Luftwaffen\u00fcbungsplatz auf der Halbinsel Wustrow. Ob diese Bilderserien Auftragsarbeiten waren oder ob der Jugendherbergsverband und die Wehrmacht nur ihre Zustimmung gaben, ist nicht bekannt, lukrativ waren die Motive in jedem Fall. Karl Eschenburg hatte entweder gute Verbindungen zum NS-Staat und dessen gleichgeschalteten Organisationen oder er wurde gezielt vom Nationalsozialismus mit Auftr\u00e4gen ausgestattet. Die beiden skizzierten Beispiele waren keine Einzelf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Ob Eschenburg die Gesinnung der Nationalsozialisten teilte oder ob er \u201enur\u201c seinen Broterwerb im Blick hatte, bleibt dahingestellt. Mit seinen Motiven und mit seiner Person diente er sich den neuen Machthabern vehement an. Am 1. Mai 1933 wurde er Mitglied der NSDAP. Der Zeitpunkt l\u00e4sst der Vermutung Raum, dass er kein gl\u00fchender Anh\u00e4nger war, sonst w\u00e4re er vielleicht schon fr\u00fcher Parteimitglied geworden. Die Tatsache, dass er trotz Aufnahmestopps in die NSDAP aufgenommen wurde, zeigt aber auch, wie sehr die Nazis auf ihn z\u00e4hlten.<\/p>\n<p>Die Nationalsozialisten haben Karl Eschenburg f\u00fcr die Aus\u00fcbung seines Berufes Privilegien einger\u00e4umt, mit denen sie gegen ihre eigenen Gesetze verstie\u00dfen. W\u00e4hrend die Werke vieler Berufsfotografen ganz im Sinne der Gleichschaltung der Presse und der Volksgemeinschaft anonymisiert und unliebsame Pressefotografen aus den Verlagen entfernt wurden, protegierten die Nazis einen Autodidakten und Quereinsteiger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Janke, Volker: Ausstellung \u201eRostock Schwarzwei\u00df. Karl Eschenburg und sein Rostock\u201c, 25. Februar bis 22. Mai 2011 im Kulturhistorischen Museum Rostock. In: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern. Nr. 2\/2011. Rostock, 2011.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> vgl. Gro\u00dfe, Sophie\/Sparfeld, Maria: \u201eZwischen Romantik und Nazi-Propaganda. Lesarten von Fotografien am Beispiel von Karl Eschenburg.\u201c. In: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern. Nr.1\/2012. Rostock, 2012<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Becker, Kathrin: \u201eKunsthistorische Studien zur Fotografie in Mecklenburg zwischen 1918 und 1945\u201c. Dissertation. Greifswald, 2007<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Photographische Chronik. Nr. 13, Seite 126. Halle\/Saale. 1928<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Tiedemann, Lorenz: Das Notjahr 1931. In: Photographische Chronik. Nr.1. Halle\/Saale, 1932<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Photographische Chronik, Nr. 8, Seite 63. Halle\/Saale, 1932<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Schmidt-Leonhardt, H.\/Gast, P.: Das Schriftleitergesetz vom 4. Oktober 1933 nebst den einschl\u00e4gigen Bestimmungen. S. 24. Berlin, 1934<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Photographische Chronik Nr. 22, S. 133. Halle\/Saale, 1934<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Photographische Chronik Nr. 3, S. 18. Halle Saale 1935<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Becker, Kathrin: Kunsthistorische Studien zur Fotografie in Mecklenburg zwischen 1918 und 1945. Greifswald, 2007<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Photographische Chronik Nr. 22, S. 133. Halle\/Saale 1934<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Photographische Chronik Nr. 50, S. 399. Halle Saale 1935<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Volker Janke: Ausstellung \u201eRostock Schwarzwei\u00df. Karl Eschenburg und sein Rostock\u201c, 25. Februar bis 22. Mai 2011 im Kulturhistorischen Museum Rostock. In: Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern. Nr. 2\/2011. Rostock, 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00a0Leben und Werk Karl Eschenburgs wurde in zahlreichen B\u00fcchern und Ausstellungen bereits umfangreich geschildert und illustriert. Dabei wurde und wird Karl Eschenburg als das \u201eAuge Mecklenburgs\u201c verehrt. Dass der gr\u00f6\u00dfte Teil seiner Aufnahmen w\u00e4hrend der Zeit des Nationalsozialismus entstand, wird dabei dezent verschwiegen oder verharmlost. Glaubw\u00fcrdig sind diesbez\u00fcgliche Auslassungen und Bem\u00e4ntelungen nicht. Der Popularit\u00e4t Eschenburgs [&hellip;]","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":210,"menu_order":11,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-5986","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5986","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5986"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5986\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6085,"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/5986\/revisions\/6085"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/210"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}