{"id":442,"date":"2012-07-28T16:00:31","date_gmt":"2012-07-28T16:00:31","guid":{"rendered":"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/?page_id=442"},"modified":"2016-08-10T15:31:12","modified_gmt":"2016-08-10T14:31:12","slug":"august-best-zugaben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/?page_id=442","title":{"rendered":"August Best &#8211; Zugaben"},"content":{"rendered":"<p>Zu August Best haben sich einige Quellen gefunden, die hier ausf\u00fchrlich wiedergegeben werden, weil sie interessante Einblicke in das gesellschaftliche und Berufsleben eines Fotografen geben. Au\u00dferdem streife ich das Thema Gebrauchsmusterschutz. Und am Ende sind zwei Plaudereien von August Best nachzulesen, die f\u00fcr Rostocker besonders vergn\u00fcglich sein d\u00fcrften.<br \/>\nWolfgang Baier zitiert in seinem Buch \u201cWelch herrliches Hell-Dunkel\u201c aus der Deutschen Photographen-Zeitung des Jahres 1882 eine Plauderei von August Best aus dem Atelier-Leben. Neben den im Buch abgedruckten Zitaten ist der Beginn des Textes von August Best sehr lesenswert, da er einen Einblick in die \u201eArbeit\u201c des Photographen gibt: \u201eEs war des Mittags im Sommer, als ich, wie die Spinne im Netze auf eine Fliege wartend, in meinem Empfangszimmer sass. Ich war eigentlich zufrieden mit mir und auch mit Anderen; denn meine Negative waren retouchirt und im Garten hinter mir lagen die Copirrahmen einer frischen, sonnigen Tageshelle ausgebreitet.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><br \/>\nSowohl auf den Negativen als auch auf den fertigen Fotos wurde oft \u201eretouchirt\u201c, also nachgebessert: Haarverl\u00e4ngerung, -verdichtung, Verschlankung der H\u00fcfte und sehr oft das Nachmalen der Pupillen. Bei Landschaftsaufnahmen wurden z.B. B\u00e4ume und Buschwerk mit etwas mehr Struktur versehen, indem helle \u00c4ste und Zweige hinzugef\u00fcgt wurden.<br \/>\nKopierrahmen gab es in verschiedenen Formen und Gr\u00f6\u00dfen: \u201e\u2026 der Kopirrahmen besteht im Wesentlichen aus einer in einem Holzrahmen gefassten Glastafel von starkem Spiegelglase, das frei von gr\u00f6\u00dferen Schlieren etc. ist. Auf diese Glasplatte wird das Negativ, mit der R\u00fcckseite nach unten, gelegt und mit dem empfindlichen Papier so bedeckt, dass die empfindliche Seite des Papiers mit der Bildseite des Negativs in innigste Ber\u00fchrung kommt.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Von der 1885 stattgefundenen XIV. Wanderversamlung des Deutschen Photographen-Vereins in Heidelberg berichtete ausf\u00fchrlich die Heidelberger Zeitung, erstmalig am vom 28. August. Zwei der drei zur Ausstellung erschienen Artikel werden vollst\u00e4ndig hier ver\u00f6ffentlicht. (Im dritten Artikel wird \u00fcber einen Empfang der Vereinsmitglieder durch den Heidelberger B\u00fcrgermeister berichtet.)<br \/>\n\u201eDie Ausstellung von Photographien und f\u00fcr photographische Zwecke nothwendiger Utensilien in der \u201eHarmonie\u201c ist eine ebenso reichhaltige als ausgew\u00e4hlte, und gibt ein gl\u00e4nzendes Bild von den gewaltigen Fortschritten, welche die photographische Wissenschaft in neuerer Zeit gemacht und von dem Eifer und dem gro\u00dfen Erfolg, mit dem die deutschen Photographen die wissenschaftlichen Errungenschaften praktisch zu verwerthen wu\u00dften. Das Ausgestellte einzeln aufzuf\u00fchren ist schon wegen der Menge des Gebotenen unm\u00f6glich; noch weniger kann es in unser Absicht liegen, eine kritische Betrachtung des Gebotenen zu versuchen, da, wie bereits gemeldet, am Sonntag die Verk\u00fcndigung der Commissions- und Preisgerichtsurtheile eine authentische kritische W\u00fcrdigung bringen wird. Wir m\u00fcssen uns begn\u00fcgen, aus der F\u00fclle des Gebotenen Einzelnes hervorzuheben, was besonders in die Augen f\u00e4llt und k\u00f6nnen im Uebrigen nur den Besuch der Ausstellung, der bekanntlich von Sonntag an dem Publikum freisteht, als einen genu\u00df- und lehrreichen empfehlen. Die Ausschm\u00fcckung des Raumes ist geschmackvoll; in der hinteren Ecke findet sich inmitten von immergr\u00fcnen Gew\u00e4chsen, dem Besucher als ansprechender Hintergrund sofort in die Augen fallend, dieB\u00fcste unseres Gro\u00dfherzogs, ebenso in der Mitte der L\u00e4ngswand die B\u00fcste des Kaisers. Die Fenster sind mit durchscheinendem Papier verklebt, wodurch eine angenehme gleichm\u00e4\u00dfige Beleuchtung erzielt wird. Unter den ausgestellten Bildern ist, wie es in der Natur der Sache liegt, das Portrait besonders reichlich vertreten. Brustbilder von Lebensgr\u00f6\u00dfe bis zum Visitenkartenformat sind in vorz\u00fcglichster Ausf\u00fchrung zu erblicken. Unter den lebensgro\u00dfen und fast lebensgro\u00dfen Portraits fallen besonders auf solche von A. Strater (Krefeld), F. Tellgmann (M\u00fchlhausen i. Th., Officiersportr\u00e4t), Herfurth (Merseburg, ein Geschwisterpaar), Katharina Culie (Frankfurt a.M., General, 2 Damenportraits). Von Gruppenbildern erw\u00e4hnen wir eins von Fr. M\u00fcller (M\u00fcnchen), 6 Geschwister darstellend, ferner eine Studentenverbindung von E. Schulze (Heidelberg). Portr\u00e4ts in verschiednen Gr\u00f6\u00dfen haben ausgestellt: K. Ruf (Freiburg und Mannheim), Fr. Langbein (Firma A. Pauli u. Co., Heidelberg), der sich wie das Centralcomite durch das geschickte und geschmackvolle Arrangement der Ausstellung, als Vorsitzender des hiesigen Lokalcomites, besondere Verdienste erworben hat, Karl Dittmar (Landshut), Schmidt (Frankfurt a.M.), Rudolph (Hof); H. D. Klein (Lahr) hat au\u00dfer Portraits eine Anzahl von Landleuten in ihrer Nationaltracht photographirt. Architectonische Aufnahmen begegnen uns von Carbonnier (Braunscheig), Metzner (Cottbus, Dampfkesselexplosion), C. Lange (Heidelberg, Schlo\u00df, au\u00dferdem Neckarlandschaften); Obernetter hat Portraits, Landschaften in vergr\u00f6\u00dfertem Ma\u00dfstabe auf Papier \u00fcbertragen, M. Schaller (Stuttgart) bringt Landschaften aus Schwaben. Momentbilder hat u.a. Aug. Best (Rostock, Strandbilder) und E. Uhlenhuth (Koburg, Thierbilder) ausgestellt. Erw\u00e4hnenswerth sind ferner die k\u00fcnstlerisch ausgef\u00fchrten Rahmen von M\u00fcnchenhagen (Berlin). Au\u00dfer dem Angef\u00fchrten, das auf Vollst\u00e4ndigkeit nat\u00fcrlich ganz und gar keinen Anspruch macht, finden sich eine gro\u00dfe Menge von Photographien, die unter gewissen Bedingungen in Bezug auf Gr\u00f6\u00dfe hergestellt sind. Das Angef\u00fchrte gen\u00fcgt jedenfalls, um die Reichhaltigkeit des Ausgestellten ins rechte Licht zu stellen, und empfehlen wir daher nochmals, den Besuch der Ausstellung nicht zu vers\u00e4umen.&#8220;<br \/>\n\u201eHeidelberg, 31. Aug. (XIV. Wanderversamlung des Deutschen Photographen-Vereins.) In der dritten und letzten Sitzung am Samstag hielt Herr Belitzki \u2013 Nordhausen einen interessanten Vortrag \u00fcber das Emulsionsverfahren; au\u00dferdem wurde beschlossen, da\u00df die n\u00e4chste Jahresversammlung in Braunschweig stattfinden soll. Wegen des eingetretenen Regenwetters mu\u00dfte leider das Vergn\u00fcgungsprogramm beschr\u00e4nkt werden; es fand nur eine Besichtigung des Schlo\u00dfinnern und der st\u00e4dtischen Sammlungen daselbst unter der sachverst\u00e4ndigen F\u00fchrung des Herrn Rath Mays statt. Wegen des Regenwetters mu\u00dfte auch die auf Sonntag Nachmittag geplante Fahrt nach K\u00fcmmelbacher Hof und R\u00fcckfahrt per Kahn auf dem Neckar aufgegeben werden. Statt dessen versammelte man sich im Restaurant Ickrath, wo die Verk\u00fcndigung der Commissions- und Preisgerichts-Urtheile stattfand. Demnach erhielt aus der Kindermannstiftung die goldende Medaille: Wettern \u2013 Hamburg; die silberne: Fr\u00e4ulein Culie \u2013 Frankfurt; die broncene: M\u00fcller \u2013 Reichenberg. Der Ehrenpreis der Steinheilstiftung wurde v. Flottwell \u2013 Magdeburg, der aus der Martinistiftung Dittmar \u2013 Landshut (Bayern) zuerkannt. Aus den allgemeinen Vereinsausschreibungen wurde keine goldene und keine silberne Medaille verliehen. Broncene Medaillen erhielten f\u00fcr Poirtrait: Ruf \u2013 Freiburg und Mannheim, Strater \u2013 Crefeld, Tellgmann \u2013 M\u00fchlhausen, Fr\u00e4ulein Culie \u2013 Frankfurt; f\u00fcr Momentaufnahmen (Portrait und Landschaft): Uhlenhut \u2013 Coburg; f\u00fcr Landschaft: Lange \u2013 Heidelberg. Vereinsdiplome wurden zuerkannt an: Best \u2013 Rostock, Schaller \u2013 Stuttgart, Obernetter jun. \u2013 M\u00fcnchen, Dittmar \u2013 Landshut (Bayern), Schmitt \u2013 Frankfurt, Schulze \u2013 Heidelberg, , Pauli u. Co. \u2013 Heidelberg, Rudolf \u2013 Hof. Au\u00dferdem erhielt eine broncene Medaille f\u00fcr phototypische Arbeiten und Reproductionen: R. Schuster \u2013 Berlin. F\u00fcr vorz\u00fcglich Ausf\u00fchrung photographischer Utensilien wurde ausgezeichnet mit einer broncenen Medaille: M\u00fcnchenhagen \u2013 Berlin, durch ein Diplom: O. Schr\u00f6der \u2013 Berlin und Spangenberg \u2013 Wiesbaden. \u2013 Nachdem hiermit der officielle Schlu\u00df der Wandversammlung stattgefunden, blieb man bei behaglicher Unterhaltung, welche durch Vortr\u00e4ge und Musik belebt wurde, beisammen, bis Abends gegen neun Uhr, nachdem sich das Wetter gl\u00fccklicher Weise aufgekl\u00e4rt hatte, die Schlo\u00dfruine im bengalischen Lichte erstrahlte, ein Anblick, welcher nicht verfehlte einen gewaltigen Eindruck auf die Festtheilnehmer zu machen und der als w\u00fcrdiger Schlu\u00df der Wanderversammlung dazu beitragen wird, Alt-Heidelberg den Festgenossen unverge\u00dflich zu machen.\u201c<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-452\" title=\"landshut-dittmar-Kopie\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/landshut-dittmar-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"328\" height=\"530\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/landshut-dittmar-Kopie.jpg 328w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/landshut-dittmar-Kopie-185x300.jpg 185w\" sizes=\"auto, (max-width: 328px) 100vw, 328px\" \/>Die Auszeichungen wurden auf den R\u00fcckseiten der Untersetzkartons verewigt. Hier ein Beispiel von Carl Dittmar aus Landshut, der auch in Heidelberg ausgezeichnet wurde. Die Heidelberger Auszeichung ist mittig \u00fcber dem Namen des Fotografen angeordnet.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/best-student-r.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-415\" title=\"best-student-r\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/best-student-r.jpg\" alt=\"\" width=\"327\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/best-student-r.jpg 327w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/best-student-r-191x300.jpg 191w\" sizes=\"auto, (max-width: 327px) 100vw, 327px\" \/><\/a>Auf der Hauptseite zu August Best hatte ich bei obigen Untersetzkarton darauf hingewiesen, dass dieser von Lindner in Berlin hergestellt wurde. Diese Art der Gestaltung des Kartons von Lindner war um 1890 recht beliebt. Hier ein Beispiel aus Chemnitz:<br \/>\n<a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/chemnitz-seeber-junge-cdv-rueck-1-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-450\" title=\"chemnitz-seeber-junge-cdv-rueck-1-Kopie\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/chemnitz-seeber-junge-cdv-rueck-1-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"334\" height=\"531\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/chemnitz-seeber-junge-cdv-rueck-1-Kopie.jpg 334w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/chemnitz-seeber-junge-cdv-rueck-1-Kopie-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 334px) 100vw, 334px\" \/><\/a>Die grundlegende Gestaltung ist mit der obigen Pappe von Best weitestgehend identisch. Es lie\u00dfen sich weitere nahezu identische Beispiele anf\u00fchren, bei denen allerdings nicht nachvollziehbar ist, wo die Kartons hergestellt wurden. Beim Hamburger Fotografen Wittrock findet sich sogar die Hamburger Firma Stolze &amp; Stuck als Hersteller.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/hamburg-wittrock-kleinkind-cdv-r-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-451\" title=\"hamburg-wittrock-kleinkind-cdv-r-Kopie\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/hamburg-wittrock-kleinkind-cdv-r-Kopie.jpg\" alt=\"\" width=\"329\" height=\"538\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/hamburg-wittrock-kleinkind-cdv-r-Kopie.jpg 329w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2012\/07\/hamburg-wittrock-kleinkind-cdv-r-Kopie-183x300.jpg 183w\" sizes=\"auto, (max-width: 329px) 100vw, 329px\" \/><\/a>Zwar gab es seit 11. Januar 1876 das Gesetz betreffend das Urheberrecht an Mustern und Modellen, aber es ist zu vermuten, dass sich nicht jeder daran hielt. Das Gesetz zum Schutz der Photographien gegen unbefugte Nachbildungen war einen Tag zuvor vom Reichstag beschlossen worden; gl\u00fccklich wurden die Fotografen damit nicht so recht.<\/p>\n<p>Nun zu den Plaudereien aus dem Atelier-Leben von August Best, erschienen in den Nummern 19 und 20 der Deutschen Photographen-Zeitung 1882.<\/p>\n<div>\n<p>\u201eNicht immer verl\u00e4uft die Sache des Bildermachens, wenn man das Gl\u00fcck oder Ungl\u00fcck hat, Photograph zu sein, so ganz glatt ab. Die Photographie hat auch ihre Kobolde, welche derselben einen Streich spielen, selbst dann noch, wenn man glaubt, dieselben seien daheim. \u2014 Ich photographirte heuer eine alte Jungfer, nach meiner unmaassgeblichen Taxation an Jahren zwischen 40 und 60, die Grenze verwischt sich hier. Sie sah aus wie ein \u00fcberkommenes weibliches Fragment aus den ersten hinter uns liegenden Decennien unseres Jahrhunderts; denn ihre \u201egr\u00e4ulichen\u201d Locken wackelten bedenklich an ihren Schl\u00e4fen und um die d\u00fcrren Finger hingen im Laufe der Jahre zu gross gewordene \u201eHaarringe\u201d.<br \/>\nIch will&#8217;s nur gleich gestehen, ich photographirte diese Antike nicht, trotzdem wir beiderseitig dazu den ernsten Willen hatten. Sie kam aus der Kirche, was mir ihr in den mageren H\u00e4nden gehaltenes Gesangbuch und auch ihr trauernder, dunkler Anzug verriethen. \u2014<br \/>\nDie Dame sah wirklich echauffirt aus. \u201eAch, wenn ich nur still sitze, ich bin so angegriffen, so heiss! wollen wir auch lieber auf einen anderen Tag warten?!&#8220;<br \/>\nAber der nimmersatte Gesch\u00e4ftsmann denkt, besser einen Sperling in der Hand, als zehn auf dem Dache, oder die andere Variante: Was nachkommt beisst der Wolf.<br \/>\nIch sprach der alten Dame zu: \u201eDas Wetter sei gut&#8220;, um so mehr! Schliesslich erreichte ich, dass sie vor einem \u201ekirchlich aussehenden Hintergrund&#8220; Platz genommen hat, dass oft \u201emissbrauchte&#8220; Buch in der Hand. Auf ihrem Gesicbte lagen sichtlich noch die feierlichen Eindr\u00fccke der zuletzt geh\u00f6rten Worte des Predigers zu St. Jacobi. \u2014<br \/>\n\u201eSo, bitte, halten Sie ja recht still, das ganze Gelingen Ihres u. s. w.&#8220; \u2014<br \/>\nAllerdings, Alles still, wie in einer Kirche, feierlich! \u2014 Ich exponirte \u2014<br \/>\nAber, o Gott, was sehe ich? \u2014 t\u00e4uschen mich wirklich meine sonst so zuverl\u00e4ssigen Augen? was sehe ich seitlich schielend?! was geschieht? spukt es?! \u2014 Ja, es muss nicht ganz richtig sein. Eine G\u00e4nsehaut, nein, zwei liefen mir \u00fcber den Buckel!<br \/>\n\u2014 \u2014 Die Wand hinter ihr \u2014 der Hintergrund \u2014 neigte sich complimentirend zu mir!! Sie wurde schneller und schlug zun\u00e4chst dumpf auf den Kopfhalter hinter der Person, und dann st\u00fcrzte sich dieselbe auf die Dame, diese durch die klaffende Spalte hindurchlassend! \u2014<br \/>\nIch war vor Schrecken ganz lahm und unm\u00f6glich zur Th\u00e4tigkeit und zum Denken! \u2014 Gottlob, es war vor\u00fcber! \u2014 Die Alte sass, wie der steinerne Gast so gerade, wie vorher mit dem Gesangbuche in der Hand. Um sie lag der Hintergrund mit klaffender Wunde, seine unbemalte R\u00fcckseite uns ironisch zukehrend. Aber sie, blass wie Kalk, sagte nichts, und ich? \u2014 ich weiss nicht, ob ich als Pendant zu ihr roth aussah, genug, ich sagte auch nichts. Sie ging \u2014 \u201eund ward niemals mehr gesehen!&#8220;&#8220;<\/p>\n<p>Und hier die zweite Plauderei:<br \/>\n\u201eIch bin kein \u201eHofphotograph&#8220; \u2014 welche Vacanz mir wahrscheinlich noch offen steht \u2014 aber auch kein Schund- und Schnellphotograph \u2014 (ich bitte, mir dies zu glauben) und doch mitunter ein Verbrecher-Photograph. \u2014 Die Polizei, die mich wiederholt in Strafe genommen, wenn ich meine Schauk\u00e4sten w\u00e4hrend kirchlicher Feier den flanirenden Commis, die zu solcher Zeit die strenge Innehaltung der Sabbathsfeier segneten, frech hatte h\u00e4ngen lassen, war mir trotzdem gesch\u00e4ftlich gewogen, da sie ihr Contingent von Verbrechern, oder die es werden -wollten, immer bei mir photographiren liess. Manus manum lavat, dachte ich und mochte sie denken, \u2014 \u2014 Es war mitten im kalten Winter, als ich wiederum mich eines polizeilichen Auftrages entledigen sollte. Die kalten Tage hatten die Scheiben des Ateliers mit Eisblumen bemalt, und der in der Ecke gl\u00fchende Ofen k\u00e4mpfte vergebens gegen sie an. Man f\u00fchrte zu solcher Zeit einen Dieb, der \u201eim Verdachte gestohlen zu haben&#8220; stand, mir zu, und eine doppelte Besatzmannsehaft imponirte mir f\u00fcr die Gef\u00e4hrlichkeit dieses Individuums. Seine nackten F\u00fcsse staken in geflochtenen Binsenpantoffeln und d\u00fcnne, leinene Gewandung sollten den frierenden K\u00f6rper sch\u00fctzen. \u2014 Wirklich eine Jammergestalt! \u2014 Ich sah mir berufsm\u00e4ssig erst im Atelier die Person genauer an. Ich war erstaunt \u00fcber dieselbe! \u2014<br \/>\n\u201eSie also hier, unter solchen Umst\u00e4nden, wie&#8217;s m\u00f6glich !!\u201c \u201eJa, sehen Sie, ich werde Sie als Zeuge aufrufen, ob ich nicht als ehrlicher Mann bei Ihnen Kitt*) verkauft habe, und nun hat man mich des Silberdiebstahls, der gerade zu meiner Zeit hier geschehen ist, verd\u00e4chtigt \u2014 \u2014 aber man muss mich freigeben, und ich bestelle f\u00fcr mich 1\/2 Dutzend von diesen Bildern, die Sie jetzt in einem anderen Auftrage liefern m\u00fcssen!&#8220; \u2014 Ich bedauerte den jungen Mann. \u2014 Darauf photographirte ich, und er that seine Schuldigkeit.<br \/>\nDemn\u00e4chst \u2014 die Polizei hatte diesmal Eile \u2014 entledigte ich mich meines Auftrags gegen\u00fcber der Beh\u00f6rde, war aber zugleich, der Ueberzeugung f\u00fcr die Unschuld voll, so leichtsinnig, auch ein 1\/2 Dutzend dem Unschuldigen copiren zu lassen. \u2014<br \/>\nDie Bilder lagen zur Abholung bereit \u2014 sehr lange, so lange, bis ich eines Tages aus der Zeitung erlas, mein Kittverk\u00e4ufer sei nicht allein des hiesigen Silberdiebstahls \u00fcberf\u00fchrt, sondern derselbe habe auch in Hamburg und Altona schwere Einbr\u00fcche ver\u00fcbt. \u2014Nun erst wanderten seine 6 Bilder in&#8217;s Feuer; er aber sass l\u00e4ngst im Gef\u00e4ngniss, seine Erlebnisse, Zeit genug, zu \u00fcberdenken, und gewiss wird er auch mich \u2014 den gutm\u00fcthigen Photographen \u2014 in die Kreise seiner Erinnerung gezogen haben. \u2014<br \/>\n*) Es war richtig.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Deutsche Photographen-Zeitung 1882, S. 115<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Buehler, Otto: Atelier und Apparat des Photographen, Weimar 1869, Reprint Hannover 1994, S. 191<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zu August Best haben sich einige Quellen gefunden, die hier ausf\u00fchrlich wiedergegeben werden, weil sie interessante Einblicke in das gesellschaftliche und Berufsleben eines Fotografen geben. Au\u00dferdem streife ich das Thema Gebrauchsmusterschutz. Und am Ende sind zwei Plaudereien von August Best nachzulesen, die f\u00fcr Rostocker besonders vergn\u00fcglich sein d\u00fcrften. Wolfgang Baier zitiert in seinem Buch \u201cWelch [&hellip;]","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":210,"menu_order":7,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-442","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/442","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=442"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/442\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3173,"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/442\/revisions\/3173"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/210"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=442"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}