{"id":1839,"date":"2014-11-01T20:29:34","date_gmt":"2014-11-01T20:29:34","guid":{"rendered":"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/?page_id=1839"},"modified":"2023-03-11T20:52:39","modified_gmt":"2023-03-11T19:52:39","slug":"schlaraffia-rostochiensis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/?page_id=1839","title":{"rendered":"Schlaraffia Rostochiensis"},"content":{"rendered":"<p>Um 1900 gab es in Rostock einige Geselligkeits- und Kunstvereine, relativ bekannt sind z.B. der Altertumsverein, die Societ\u00e4t und der Kunstverein. Dem Anliegen von Schlaraffia kam wohl der 1890 gegr\u00fcndete Rostocker Dilettanten-Verein recht nah, der sich der \u201ePflege des theatralischen, musikalischen, gesanglichen und declamatorischen Vortrags\u201c widmete.<\/p>\n<p>Die Schlaraffia ist eine Vereinigung zur Pflege von Freundschaft, Kunst und Humor und wurde 1859 in Prag gegr\u00fcndet. Der Rostocker Ableger bestand von 1897 bis 1936. In Mecklenburg gibt es momentan ein \u201eReych\u201c &#8211; in Schwerin. (siehe auch <a href=\"http:\/\/www.schlaraffia-suerina.de\/\">www.schlaraffia-suerina.de<\/a>)<\/p>\n<p>Ausgangspunkt der Rostocker Gr\u00fcndung war ein Vortrag des Schlaraffen Othello aus Ulm vor Mitgliedern der Freimaurerloge \u201eZu den 3 Sternen\u201c im \u201eRostocker Hof\u201c. Der Vortragende begeisterte die Anwesenden und so wurde bald darauf die Schlaraffia Rostochiensis im Restaurant Reinecke (bekannter unter dem sp\u00e4teren Namen \u201eHeldts Wintergarten\u201c) in der Breiten Stra\u00dfe gegr\u00fcndet. Erstes offizielles Vereinslokal, die Burg, von den Rostockern mit Werleburg bezeichnet, wurde das Lokal Krumreich in der Bleicherstra\u00dfe. Die eigentliche Werleburg stammt aus slawischer Besiedlungszeit. Erhalten geblieben ist in der N\u00e4he von Malchow der Burgwall. 1905 wurde die Rostocker Werleburg ins Restaurant Reinecke verlegt.<br \/>\nAb ca. 1918 wurde die Etage \u00fcber dem Restaurant Lichtenhainer in der Langen Stra\u00dfe 7 als Burg genutzt.<br \/>\nFolgende Ansichtskarte zeigt das Vereinslokal:<\/p>\n<figure id=\"attachment_1832\" aria-describedby=\"caption-attachment-1832\" style=\"width: 656px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/blohm-werleburg-ak-1919-gel-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1832\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/blohm-werleburg-ak-1919-gel-Kopie.jpg\" alt=\"Aufnahme: Fritz Blohm\u00b4; 1919 gelaufen\" width=\"656\" height=\"407\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/blohm-werleburg-ak-1919-gel-Kopie.jpg 656w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/blohm-werleburg-ak-1919-gel-Kopie-300x186.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 656px) 100vw, 656px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1832\" class=\"wp-caption-text\">Aufnahme: Fritz Blohm; 1919 gelaufen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gut zu erkennen ist die Vielzahl von Uhus, der das Symbol der Schlaraffen ist. Auf der Tafel in der Bildmitte stehen die Mitgliedsnamen. Die Mitglieder waren \u201eRitter&#8220; und trugen mehr oder weniger sinnige Namen wie z.B. Sternkieker und Ratzeputz, aber auch Richard oder Hermann.<br \/>\nDer R\u00fcckseite der Karte l\u00e4sst sich entnehmen, dass sie zur 600. Sippung, also zur 600. Zusammenkunft des Vereins im Jahr 60 nach der Prager Gr\u00fcndung 1859 &#8211; also 1919 geschrieben wurde.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1834\" aria-describedby=\"caption-attachment-1834\" style=\"width: 312px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/blohm-werleburg-ak-1919-gel-r-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1834\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/blohm-werleburg-ak-1919-gel-r-Kopie.jpg\" alt=\"R\u00fcckseite obiger Ansichtskarte; Ausschnitt\" width=\"312\" height=\"412\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/blohm-werleburg-ak-1919-gel-r-Kopie.jpg 312w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/blohm-werleburg-ak-1919-gel-r-Kopie-227x300.jpg 227w\" sizes=\"auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1834\" class=\"wp-caption-text\">R\u00fcckseite obiger Ansichtskarte; Ausschnitt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Von 1923 bis 1936 nutzte die Rostocker Schlaraffia das Walldienerhaus hinter dem Rathaus als Vereinssitz.<br \/>\nDer Verein hatte sich zur Anmietung des Hauses an den Eigent\u00fcmer, die Stadt Rostock gewandt, und schilderte das Anliegen des Vereins: \u201eWir verfolgen rein gesellige und k\u00fcnstlerische Bestrebungen und ist der Charakter unserer Vereinigung dem der Logen \u00e4hnlich.\u201c<br \/>\nDer Mietvertrag begann am 01.07.1923, am 17.11.1923 fand die \u201eBurgweihe\u201c statt. Die zu diesem Anlass gedruckten gro\u00dfformatigen Einladungen begannen mit diesem Text: \u201eWir durch UHUS Gunst und Seiner Ritter Willen erk\u00fcrete Oberschlaraffen des illustren Reyches Rostochiensis allezeyt Mehrer des Geistes, Schirvoygte der Lustbarkeyt, Gebieter s\u00e4mmbtlich Lande bis an das Weichbild Suerinae, Strelasundiae, Novi Strelitii und Lubeccae, Zwingkherrn der Veste Kitzin, der Hundesburg, der Umwallung derer festen Stadt Rostock und der Drachenbastey zu D\u00f6mitz, geforchtete Kummandanten der Werleburg \u2026\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_1837\" aria-describedby=\"caption-attachment-1837\" style=\"width: 417px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/schlaraffia-werleburg-hinter-dem-rathaus-1925-ak-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1837\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/schlaraffia-werleburg-hinter-dem-rathaus-1925-ak-Kopie.jpg\" alt=\"Ansichtskarte; ungelaufen\" width=\"417\" height=\"654\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/schlaraffia-werleburg-hinter-dem-rathaus-1925-ak-Kopie.jpg 417w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/schlaraffia-werleburg-hinter-dem-rathaus-1925-ak-Kopie-191x300.jpg 191w\" sizes=\"auto, (max-width: 417px) 100vw, 417px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1837\" class=\"wp-caption-text\">Ansichtskarte; ungelaufen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Obige Ansichtskarte wurde im Jahr 1925 von August Idel gestaltet. Er war im Hauptberuf Mediziner, hatte in Rostock studiert und promoviert und in der 1920er Jahren zun\u00e4chst als Assistenz- und sp\u00e4ter als Oberarzt an der Universit\u00e4ts-Frauenklinik t\u00e4tig.<br \/>\nUm 1930 war das Walldienerhaus in einem so schlechten baulichen Zustand, dass die Sippungen (Sitzungen) im Ratskeller stattfinden mussten.<br \/>\nFolgend seien einige M\u00e4nner genannt und kurz vorgestellt, die Mitglieder der Schlaraffia Rostochiensis waren.<br \/>\nIn den Akten im Stadtarchiv war der Name Max Netzel am h\u00e4ufigsten zu lesen. Netzel war Kaufmann und betrieb von ca. 1900 bis ca. 1916 einen Einzelhandel mit Galanterie-, Bijouterie- und Leder- und Spielwaren in der Kr\u00f6peliner Stra\u00dfe 39 und anschlie\u00dfend bis ca. 1930 einen Gro\u00dfhandel f\u00fcr Galanterie-, Papier- und Lederwaren in der Prinzenstr. 4.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1836\" aria-describedby=\"caption-attachment-1836\" style=\"width: 296px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/kroepeliner-str-1920-ak-netzeljpg.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1836\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/kroepeliner-str-1920-ak-netzeljpg.jpg\" alt=\"Kr\u00f6peliner Stra\u00dfe um 1910, das Firmenschild von Max Netzel ist rot eingef\u00e4rbt; Ansichtskarte, Ausschnitt \" width=\"296\" height=\"509\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/kroepeliner-str-1920-ak-netzeljpg.jpg 296w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/kroepeliner-str-1920-ak-netzeljpg-174x300.jpg 174w\" sizes=\"auto, (max-width: 296px) 100vw, 296px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1836\" class=\"wp-caption-text\">Kr\u00f6peliner Stra\u00dfe um 1910, das Firmenschild von Max Netzel ist rot eingef\u00e4rbt; Ansichtskarte, Ausschnitt<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zum Zeitpunkt der Anmietung des Walldienerhauses Anfang der 1920er Jahre waren au\u00dferdem bei der Schlaraffia aktiv:<br \/>\nRichard Dittmann, Hof-Lieferant f\u00fcr Uniform-Ausr\u00fcstungen, Effekten, Herren-Garderoben, auch f\u00fcr Jagd und Sport. Er fertigte auch nach Ma\u00df und hatte 1920 sein Gesch\u00e4ft in der Ulmenstr. 33. Alfred Oppel war 1924 als Kunstmaler und Dekorationsmaler am Stadttheater im Adressbuch verzeichnet. Zur selben Zeit hatte Max Arnold ein Reklame- und Inseratenb\u00fcro in der Alexandrinenstra\u00dfe, Wilhelm Wassermann f\u00fchrte eine Maschinenfabrik f\u00fcr landwirtschaftliche Ger\u00e4te am Alten Markt und Hugo Ernst Korte war Handelsvertreter f\u00fcr Drogen, Farben und verwandte Branchen.<br \/>\nIm Jahr 1933 war Friedrich Buller Vorsitzender der Rostocker Schlaraffia. Noch im 19. Jahrhundert hatte er von seinem Vater die Leitung der Firma E. Crull, einem traditionsreichen Herrenbekleidungsgesch\u00e4ft in der Strandstra\u00dfe \u00fcbernommen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1835\" aria-describedby=\"caption-attachment-1835\" style=\"width: 770px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/crull-1919-Kopie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1835\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/crull-1919-Kopie.jpg\" alt=\"Briefkopf, 1919 gelaufen\" width=\"770\" height=\"281\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/crull-1919-Kopie.jpg 770w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/crull-1919-Kopie-300x109.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1835\" class=\"wp-caption-text\">Briefkopf, 1919 gelaufen<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aus anderen Quellen ist bekannt, dass der Rostocker Intendant des Stadttheaters Ernst Immisch um 1930 Schlaraffe war. Sein Rittersname: Amor der Schlafwagenkontrolleur. Die Mitgliedschaft von Theaterschauspielern und \u2013musikern war typisch f\u00fcr die Schlaraffen. Auch in Rostock waren Operns\u00e4nger, Konzert- und Kapellmeister, Musiker und Schauspieler aktiv.<br \/>\nZum Ende des Jahres 1936 wurde der Mietvertrag f\u00fcr das Walldienerhaus einvernehmlich aufgek\u00fcndigt, wohl auch weil die Schlaraffia mittlerweile von den Nationalsozialisten schikaniert wurde. Ob es eines Verbots durch die Nazis bedurfte oder ob sich die Schlaraffia Rostochiensis selbst aufl\u00f6ste ist nicht \u00fcberliefert.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1838\" aria-describedby=\"caption-attachment-1838\" style=\"width: 291px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/walldienerhaus-2014.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1838\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/walldienerhaus-2014.jpg\" alt=\"Walldienerhaus, Aufnahme von 2014\" width=\"291\" height=\"586\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1838\" class=\"wp-caption-text\">Walldienerhaus, Aufnahme von 2014<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Um 1900 gab es in Rostock einige Geselligkeits- und Kunstvereine, relativ bekannt sind z.B. der Altertumsverein, die Societ\u00e4t und der Kunstverein. 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