{"id":180,"date":"2011-11-01T20:16:50","date_gmt":"2011-11-01T20:16:50","guid":{"rendered":"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/?page_id=180"},"modified":"2013-03-10T18:17:01","modified_gmt":"2013-03-10T18:17:01","slug":"strandstrasse-9","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/?page_id=180","title":{"rendered":"Strandstrasse 9"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/strandstrasse-archiv-01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-184\" title=\"strandstrasse-archiv-01\" alt=\"\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/strandstrasse-archiv-01.jpg\" width=\"789\" height=\"563\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/strandstrasse-archiv-01.jpg 789w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/strandstrasse-archiv-01-300x214.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 789px) 100vw, 789px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Auf dem Foto aus den 1970er Jahren ist rechts die Nr. 9 zu sehen und daneben die Nummern 7 und 8.\u00a0Die Hausnummern 1-6 wurden im 2. Weltkrieg zerst\u00f6rt, an deren Stelle wurde noch w\u00e4hrend des Kriegs eine Baracke errichtet. Rechte: Stadtarchiv HRO<\/p>\n<p>Die Strandstra\u00dfe 9, nahe der Grubenstra\u00dfe gelegen, z\u00e4hlte im 20. Jahrhundert und wahrscheinlich auch vorher zu den schlechteren Adressen. Das Haus lag auf der S\u00fcdseite der Stra\u00dfe und somit nicht direkt am Hafen, sondern in der zweiten Reihe.<\/p>\n<p>Irgendwann um 1750 wird das Haus Strandstra\u00dfe 9 errichtet worden sein. Der Stadtbrand 1677 hatte auch die H\u00e4user im \u00f6stlichen Bereich der Strandstra\u00dfe vernichtet. Damals war der Hafen noch Strand, also ein Flussufer. Das Ufer war mit einem Bollwerk aus Steinkisten befestigt. Anlegestellen f\u00fcr die Schiffe waren die in die Warnow hineingebauten Br\u00fccken. Im \u00f6stlichen Hafenbereich waren das in Verl\u00e4ngerung der gleichnamigen Stra\u00dfen die Burgwall-, die Ko\u00dffelder- und die M\u00f6nchenbr\u00fccke.<\/p>\n<p>Die Strandstra\u00dfe war bis zum Abriss der Stadtmauer die hafenseitige Stadtgrenze. Die zum Haus Nr. 9 n\u00e4chstgelegenen Strandtore waren das Heringstor an der Grubenstra\u00dfe und das M\u00f6nchentor an der Gro\u00dfen M\u00f6nchenstra\u00dfe.<\/p>\n<p>Die heutige Grubenstra\u00dfe war bis in die 1850er Jahre ein Wasserlauf, der die Rostocker Mittel- von der Altstadt trennte. \u00dcberg\u00e4nge<br \/>\nverbanden die Stadtteile. In Verl\u00e4ngerung der Strandstra\u00dfe f\u00fchrte die Lazarettbr\u00fccke in die Altstadt.<br \/>\nMit der Entfestung der Stadt \u00e4nderte sich das Erscheinungsbild der Strandstra\u00dfe. Auf der Stra\u00dfennordseite enstanden im 19.<br \/>\nJahrhundert viele Neubauten, vornehmlich Kontore, Speicher, Handelsh\u00e4user.<br \/>\nDie Industrialisierung f\u00fchrte im 19. Jahrhundert zu erheblichen Ver\u00e4nderungen der Grubenstra\u00dfe. Die namensgebende Grube wurde Anfang der 1850er Jahre zugesch\u00fcttet, um den Hafen per Eisenbahn an den Friedrich-Franz-Bahnhof anzuschlie\u00dfen. Die Stadtmauer wurde unweit des Kuhtores durchbrochen, die h\u00f6lzernen Br\u00fccken, die die Grube querten, wurden abgerissen, ebenso wie das Heringstor am n\u00f6rdlichen Ende der Grube. Im Jahr 1855 wurde der Betrieb der Hafenbahn aufgenommen.<br \/>\n140 Jahre sp\u00e4ter endete dieses Kapitel der Rostocker Verkehrsgeschichte.<\/p>\n<p>In den Adressb\u00fcchern finden sich Anfang des 20. Jahrhunderts meist vier Namen. Die ausgewiesenen Berufe wie Arbeitsmann, Schneider-, Schlossergeselle sind ein Indiz daf\u00fcr, dass die Hausbewohner zu den \u00e4rmeren Rostockern geh\u00f6rten. Nach Ende des 1. Weltkrieges finden sich h\u00e4ufiger auch Witwen im Adressbuch.<\/p>\n<p>Nach einigen weiteren Blicken ins Adressbuch des Jahres 1900 best\u00e4tigt sich die These der schlechteren Adresse immer mehr. In der gesamten Stra\u00dfenzeile Strandstra\u00dfe 1 bis 14 findet sich kein erw\u00e4nhenswertes Gewerbe, wohl aber auf der gegen\u00fcberliegenden Stra\u00dfenseite, deren H\u00e4user direkt am Hafen lagen und die meisten nahezu doppelt so hoch waren. Neben den Hafenkneipen finden sich dort weitere f\u00fcr diese Zeit typische Gewerbe: eine T\u00f6pferei und eine Kohlenhandlung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/strandquartier-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-207\" title=\"strandquartier-1\" alt=\"\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/strandquartier-1-1024x685.jpg\" width=\"1024\" height=\"685\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/strandquartier-1-1024x685.jpg 1024w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/strandquartier-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/strandquartier-1.jpg 1270w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-185\" title=\"grundriss-1\" alt=\"\" src=\"http:\/\/werner0304.alfahosting.org\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/grundriss-1.jpg\" width=\"568\" height=\"781\" srcset=\"https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/grundriss-1.jpg 568w, https:\/\/www.rostock-frueher.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/grundriss-1-218x300.jpg 218w\" sizes=\"auto, (max-width: 568px) 100vw, 568px\" \/>Grundriss des Erdgeschosses nach einer Bauzeichnung von 1928. Das Haus war ca.7,5 m breit und 11 m lang.<br \/>\nLegende: 1 = Hausflur\/Treppe ins Obergeschoss, 2 = Zimmer, 3= Alkoven, 4 = Zimmer, 5 und 6 =WC, 7 = Innenhof, 8 = K\u00fcche, 9 = Alkoven, 10 =Zimmer<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich geh\u00f6rten wohl nur die R\u00e4ume 1, 2, 3, 9 und 10 zum Erdgeschoss. Wann der zweigeschossige Anbau mit Flachdach erfolgte, (R\u00e4ume 4-8 des Erdgeschosses) ist unbekannt. Eine Wohnung (Zimmer 2, 3, 4 bzw. 8, 9, 10) verf\u00fcgte \u00fcber ca. 25 m\u00b2.<br \/>\nIm Jahr 1900 lebten\u00a0bis zu f\u00fcnf Personen in einer Wohnung, namentlich der Arbeiter Heinrich Waack mit seinen Frau Anna und den T\u00f6chtern Emma, Martha und Frieda. Weiterhin lebten im Haus: Der Arbeiter Carl Mumm mit seiner Frau Marie, die als Gep\u00e4ckfahrerin t\u00e4tig war. Die beiden S\u00f6hne Wilhelm und Ernst (geb. 1885) waren zum Zeitpunkt der Volksz\u00e4hlung 1900 nicht im Haus, weil sie zur See fuhren. Der Arbeiter Heinrich Buhr lebte mit Frau Auguste und Tochter Anna in der Strandstra\u00dfe und auch die H\u00fcttenhebers waren mit dem Arbeiter Fritz und seinen S\u00f6hnen Ludwig und Hermann zu dritt. Auf etwas mehr als 100 m\u00b2 lebten somit 15 Personen.<\/p>\n<p>Anfang der 1980er Jahre wurde das Haus zusammen mit den Hausnummern 7 und 8 abgerissen. Im Zuge der Neubebauung der N\u00f6rdlichen Altstadt wurde ein Plattenbaublock errichtet, das Haus an der Stelle der ehemaligen Nummer 9 hat heute die Nr.4.<\/p>\n<p>Mit dem Abriss des Hauses wurde auch die Bauakte geschlossen, einige wenige Schriftst\u00fccke aus der Zeit von 1900 bis ca. 1981 blieben in der sogenannten Abrissakte erhalten.<\/p>\n<p>Die erhaltenen Schriftst\u00fccke haben z.T. anekdotischen Charakter, geben aber auch einen Einblick in den Verfall der Bausubstanz<br \/>\nw\u00e4hrend der DDR-Zeit.<\/p>\n<p>Ein Vorgang mit einer Anzeige bei der Polizei am 19.05.1900.<br \/>\n\u201eEs trat vor: Der Arbeitsmann Otto Kr\u00f6hn, wohnhaft Strandstr. 9<br \/>\nUnd erkl\u00e4rte:<br \/>\nIn s\u00e4mtliche Wohnungen des Hauses Strandstr. 9, geh\u00f6rig dem Schankwirt C. Bastian, wohnhaft Strandstr. 74, speziell in meiner in dem 1. Obergescho\u00df belegenen Wohnung, befindet sich ein Ofenblech vor den \u00d6fen nicht, ebenso nicht vor den K\u00fcchenherden, soda\u00df leicht Feuer entfachen kann. Ich bitte um Besichtigung.\u201c<br \/>\nDaraufhin begibt sich der Schutzmann Willbrandt am 22.05. an den Ort des Geschehens und stellt fest, \u201eda\u00df sich in dem fraglichen Hause f\u00fcr s\u00e4mtliche \u00d6fen und K\u00fcchenherde kein Vorblech befindet.\u201c<br \/>\nAm 30.Mai schreibt Carl Bastian an die Polizei, \u201eda\u00df schon seit 8 Tagen vor den Heiz\u00f6ffnungen s\u00e4mtlicher Herde und \u00d6fen Vorbleche der Vorschrift gem\u00e4\u00df verlegt worden sind. Die alten Vorbleche waren schlecht und bedurften der Erneuerung, daher sind dieselben fortgerissen worden.\u201c<\/p>\n<p>Sechs Jahre sp\u00e4ter geht Carl Bastian, dann selbst zur Polizei und erstattet am 13.03.1906 Anzeige, weil sein Nachbar, der Kaufmann<br \/>\nCohn, in dem neben der Nr. 9 verlaufenden Torweg an der zu Nr. 9 eigent\u00fcmlichen Hauswand ein Pissoir habe einrichten lassen. Das Pissoir werde von Cohns Arbeitern benutzt. Dadurch sei die Wand schon derart durchfeuchtet, dass eine Wohnung bereits unbewohnbar sei.<br \/>\nCohn weigert sich am 26.03. gegen\u00fcber dem Schutzmann Friedrich Schult, das Pissoir ohne entsprechende baupolizeiliche Aufforderung entfernen zu lassen.<br \/>\nEs folgt eine Begehung durch den Baupolizeikontrolleur Fritz Hellmuth am 05.04., bei der nochmals festgestellt wird, dass das Pissoir an der angegebenen Stelle errichtet wurde. Da Bastian jedoch die Wand auf der Innenseite mit Leinwand \u00fcberspannt und neu tapeziert hat, kann keine Wanddurchfeuchtung festgestellt werden.<br \/>\nDaraufhin werden Herr Bastian und Herr Cohn f\u00fcr den 10.04. zum Stadtbaumeister Friedrich Thormann bestellt. Von Thormann wird bei diesem Termin festgelegt, dass Cohn die Au\u00dfenwand im Bereich des Pissoirs mit einem halben Stein zu verst\u00e4rken habe.<\/p>\n<p>Die weiteren Belege betreffen die Genehmigung von Bauma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Im April 1928 wird das WC der Strandstr. 9 ans Abwasser angeschlossen. Den Tiefbau erledigt W.Kobrow, die Klempnerarbeiten P. Kobrow. Eigent\u00fcmer zu dieser Zeit: J. Karsten, Arbeitsmann.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 1939 bittet der Eigent\u00fcmer Hans Kr\u00f6gner, Talstr. 6, um Genehmigung zur Neudeckung seines Hauses mit roten Doppelfalzziegeln. Die Deckung erfolgt zwischen Oktober 1939 und 04.06.1940.<\/p>\n<p>In den 1960er Jahren ist die Wohnungsnot in Rostock gro\u00df. Die Betriebe schicken ihre eigenen Handwerker, um R\u00e4umlichkeiten bewohnbar zu machen. F\u00fcr die \u201eInstandsetzung der bauaufsichtlich gesperrten Wohnung Strandstra\u00dfe 9 (Stube, Alkoven, K\u00fcche)\u201c (Nr. 2, 3, 4 vom Grundriss) wird dem VEB Energieversorgung in der Bleicherstra\u00dfe von der Staatlichen Bauaufsicht am<br \/>\n14.05.1965 ein Gebrauchsabnahmeschein ausgestellt.<\/p>\n<p>Das letzte Schriftst\u00fcck in der Abrissakte ist ein Bauzustandsbericht, ausgestellt von der Staatlichen Bauaufsicht der Stadt<br \/>\nRostock am 16.01.1981. Zu diesem Zeitpunkt werden Erd- und Obergeschoss als je eine Wohnung genutzt.<\/p>\n<p>\u201eVorderfront massives Mauerwerk. Erdgecho\u00df 36 cm stark, 1. Obergescho\u00df 25 cm stark. Mauerwerk weist an der Vorderfront im Sockelbereich durch Feuchtigkeit Abplatzungen auf.<br \/>\nDie R\u00fcckfront besteht aus Fachwerk, dieses ist durch Witterungseinflu\u00df stark in Mitleidenschaft gezogen. \u2026<br \/>\nDer Fu\u00dfboden gibt beim Begehen nach.<br \/>\nAn der Dachkonstruktion sind von au\u00dfen Durchbiegungen sichtbar. \u2026<br \/>\nDie Giebelwand zum Nebenhaus ist nur einen halben Stein stark. An den W\u00e4nden ist keine zus\u00e4tzliche D\u00e4mmung angebracht. S\u00e4mtliche Fenster sind als Einfachfenster ausgebildet.<br \/>\nDie Dachhaut besteht aus Doppelfalzziegeln und ist \u00fcberaltert. (die Dachdeckung von 1940 ?, d.A.). Es regnet an mehreren Stellen<br \/>\ndurch. Die Dachrinne und Fallrohre sind defekt. Sperrungen gegen aufsteigende und seitlich eindringende Feuchtigkeit sind nicht mehr vorhanden. Die Kellerw\u00e4nde sind durchfeuchtet und es ist davon auszugehen, da\u00df der Keller Hochwasser gef\u00e4hrdet ist.\u00a0 \u2026<br \/>\nDie Schornsteine im oberen Bereich sind versottet. \u2026.<br \/>\nDer gesamte Innenausbau zeigt gro\u00dfe Verschlei\u00dferscheinungen aus. Sanit\u00e4r, Elt und Versorgungseinrichtungen entsprechen in keiner Weise den TGL-Bestimmungen. Auf Grund des schlechten Zustandes des Hauses, der W\u00e4rmed\u00e4mmung sowie des \u00fcberalterten Innenausbaues, den Durchfeuchtungserscheinungen wird die Bauzustandsstufe 4 eingesch\u00e4tzt.\u201c<\/p>\n<h1>wird fortgesetzt<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auf dem Foto aus den 1970er Jahren ist rechts die Nr. 9 zu sehen und daneben die Nummern 7 und 8.\u00a0Die Hausnummern 1-6 wurden im 2. Weltkrieg zerst\u00f6rt, an deren Stelle wurde noch w\u00e4hrend des Kriegs eine Baracke errichtet. 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